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Rudolf
Tobias wurde am 22. Mai 1873 auf der Insel Dagö geboren
und starb am 29. August 1918 in Berlin.
Er war der Sohn eines Küsters, besuchte das Gymnasium in Reval und nahm
Orgel-Unterricht bei dem Dom-Organisten E. Reinecke.
Von 1893 bis 1897 besuchte er das Petersburger Konservatorium.
Bis 1904 blieb er hiernach in Petersburg als Organist und Chefdirigent.
Bis 1908 unterrichtete als Musiklehrer in Dorpat.
Anschließend wirkte er in Leipzig und seit 1910 an der Berliner
Hochschule für Musik.
Die Esten verehren ihm als den Begründer ihrer nationalen Kunstmusik.
Tobias hatte schon durch seine Berliner
Tätigkeit eine starke Bindung an die deutsche Musik. Dennochwies er doch
immer wieder auf die Bedeutung der eigenständigen Musik hin.
Kompositionen: Die Oratorien "Des Jona Sendung" und das als Fragment
gebliebene "Jenseits des Jordans", die Kantaten "Ecclesia" und "Johannes von
Damaskus"; ferner die Ballade "Von der Wetterjungfrau" aus dem Kalevipoeg,
geistliche und weltliche Chorweisen und Sololieder.
Unter den Instrumental-Werken befinden sich Ouvertüre "Julius Caesar",
ein Klavier-Konzcrt, zwei Streich-Ouartette und ein Klavier-Trio, eine Klavier-Phantasie
über estnische Volkslieder, eine Sonatine und kleine Stücke.
Artur Kapp, geboren 16.
2. 1878, zeigte sich der russischen Musik, besonders Tschaikowskij,
enger verbunden als Tobias, welcher eher der deutschen Musik zuneigte.
Von 1904 bis 1920 war Kapp Direktor des kaiserlichen Konservatoriums.
in Astrachan. Nach der Befreiung Estlands wirkte er als Professor am Konservatorium
Reval, nun estnisch TalIinn genannt wurde. Er galt als einer der besten estnischen
Musikerzieher.
Kompositionen: Außer einem Oratorium "Hiob" komponierte er die
volkstümlich-nationale Kantate "Päiksele", "Zur Sonne", und viele
Chorweisen sowie Klavier-Lieder. Als Instrumental-Komponist, ist er mit einer
Sinfonie f-moll, einem Sinfonischen Poem, der Tondichtung "Saatus", "Schicksal",
einer Suite über estnische Volkslieder, einem Streich-Quintett und verschiedenen
Orgel-Kompositionen hervorgetreten.
Rudolf Tobias und Artur Kapp gelten mit
ihrem Namen als Repräsentanten der frühen estnischen Kunstmusik
Eugen
Kapp der Sohn von Artur Kapp ging in die Sowjet-Union und
wurde für seine Oper "Der Rächer" mit dem Stalinpreis ausgezeichnet.
Artur
Lemba, geboren 12. September 1885
in Reval, zeigt ebenfalls den Einfluß der älteren russischen Musik
in seinen virtuosen Klavier-Konzerten, der Kammermusik und in der Oper "Lembits
Tochter".
Mart Saar,
geboren 28. September 1882,
war Schüler Rimskij-Korssakows und Kapps. Er hat mehrere
hundert Chor- und Sololieder sowie eine Anzahl von Klavier-Stücken komponiert,
in denen er alte estnische Runoweisen und andere volkstümliche Elemente
verarbeitete.
Juhan
Aavik,
geboren 29. Januar 1884, seit 1911 Orchester-
und Chordirigent, zeitweilig auch Direktor des Konservatoriums Dorpat, hat
mit Liedern, seiner Chorkantate "Heimatland", der "Estnischen Trilogie", der
sinfonischen Dichtung "Der heilige Hain" und kleineren Instrumental-Kompositionen,
ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung der estnischen Musikkultur
geleistet.
Kennzeichnend für Mart Saar
und ebenso für Juhan Aavik
war die starke Verwurzelung in
ihrem Volkstum.
Cyrillus
Kreek, geboren l887 hatte sich, in Hapsal lebend,
auschließlich dem Volkslied zugewandt.
Er hat weltliche und geistliche Volkslieder zu Suiten zusammengefaßt
und für Orchester gesetzt.
Gustav
Ernesaks und Riho Päts
sind hierzu ebenfalls zu nennen. Ihre Gesangskompositionen haben eine nicht
zu unterschätzende Breitenwirkung im estnischen Musikleben gehabt.
Trotz Wahrung der nationaler Belange beginnt die estnische Musik hiernach
jedoch wesentliche Einf1üsse der neueren europäischen Musik, besonders
von Frankreich, aufzunehmen.
Heino
Eller wurde am 8. März 1887 in Dorpat geboren. Er lebte in
Reval und war der Hauptexponent dieser Entwicklung. Er studierte in Petersburg
Jura und gleichzeitig bei Vitols (?) Musik. Unstreitig ist er unter
den estnischen Komponisten der geistige Kopf. Das Volkstümliche Element
spielt bei ihm eine untergeordnete Rolle.
Kompositionen: Die Orchester-Stücke "Morgenröte" und "Abenddämmerung",
ein Sinfonisches Scherzo, die Tondichtungen "Nächtliche Klänge",
"Legende" und "Phantome", eine "Sinfonie in mixolydischer Tonart", Tanzsuite
nach estnischen Vo1ksweisen, 2 Streich-Quartette, eine Violinen-Sonate und
eine Reihe von klanglich fein ausgewogenen Klavier-Ipressionen.
Eduard
Tubin, geboren 1905, war von Heino
Eller und hat schon rein zahlenmäßig ein umfangreiches Schaffen
aufzuweisen.
Kompositionen: 5 Sinfonien, l Sinfonietta, verschiedene Instrumental-Konzerte,
das Ballett "Krat" (Der Schratt), Kammermusik, Klavierwerke und Lieder. Sind
seine früheren Werke noch in dem Einflußbereich des französischen
Impressionismus, so zeigt er in seinen neueren Kompositionen eine sehr eigenwüchsige
Erfindungsgabe, die an Sibelius, und. eine elementare Kraft des Rhythmus,
die an den frühen Strawinskij denken läßt.
Evald
Aav (1900 - 1939), ein Schüler Artur Kapps, stand ebenso
wie Adu Vedro im Schatten Ellers
und Tubins.
Er trat 1925 mit seiner vielgespielten Oper "Wikingerland" an die Öffentlichkeit.
Adu
Vedro geboren 1880, war ein Schüler des Volksmusikspezialisten
Nikolaj Solovjow in Petersburg.
Kompositionen:
1930 wurde seine Oper "Kaupo" erfolgreich aufgeführt.
Er schrieb ferner die Oper "Das heilige Schwert", einige sinfonische Werke,
ein Klavier-Konzert und Lieder. |