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PEEKSCHLITTEN
IN MECKLENBURG
Im Mecklenburg-Magazin der Internet-Seite
"SVZ online" wurde am 8.12.2001 der folgende Beitrag
von Herrn Dr.phil. Wolfram Hennies veröffentlicht.
(Siehe: >Quellennachweis >)
Herr
Dr. Hennies
ist freiberuflicher Publizist mit Veröffentlichungen zur Volkskunde,
Agrargeschichte und Regionalgeschichte Südmecklenburgs und der Prignitz
(Land Brandenburg).
Lass
uns Peiken gehen ...
Der Peikschlitten - ein altes, heute fast unbekanntes Wmtersportgerät "Peik"
(= Pike), so nannten die Mecklenburger Kinder eine Holzstange, die an einem
Ende mit einer Eisenspitze versehen war. Entweder bestand diese Spitze schlicht
nur aus einem großen Nagel, dessen Kopf nach dem Hineinschlagen abgekniffen
worden war, oder aus einem vom Schmied hergestellten hohlkegelförmigen Eisenstück,
das in einer Spitze auslief. Diese Eisenspitze ermöglichte das Abstoßen von
einem "Peikslõden" (Pikschlitten) auf dem Eis. Der Pikschlitten war ein kleines
schlittenförmiges Holzgerät mit schmalen Eisenkufen (meist nur ein dicker
Draht)auf der unteren Gleitseite, oft selbstgebaut mit Hilfe des Vaters, manchmal
von einem Holzhandwerker gefertigt Er war nur so groß, dass die beiden Füße
darauf passten.
Diese "Stehschlitten" dienten den Jungs vor dem Aufkommen der Schlittschuhe
zum Wintersport auf dem Eis. Mit der Pike zwischen den Beinen abgestoßen,
kam man in schnelles Gleiten, Geschickte Jungen ließen sich während des Fahrens
in tiefe Kniebeuge nieder, um noch schneller zu werden.
"Komm
mit peiken", sagte man, wenn es aufs Eis gehen sollte. Noch in der 1950er-Jahren
war dieses Wintersportgerät beliebt. Die Mädchen und kleineren Jungs, die
sich mit dem Peikschlitten nicht trauten, vergnügten sich mit Schlittern auf
Holzpantoffeln, eine Bahn hinauf, daneben eine andere hinunter, aufrecht oder
in der Hocke.
Manfred Tunn (Jg. 1937) überliefert aus Heiddorf bei Dörnitz darüber "Meinen
Peikschlitten hat mein Vater gleich nach 1945 gebaut, weil wir keine Schlittschuhe
hatten. Das Gestell stammte von einem Tischler der Papierfabrik Neu Kaliß.
Darauf hat mein Vater Bretter genagelt, drunter kam ein Bandeisen, mein Vater
war gelernter Schmied. Das rostige Eisen haben wir nach der Sommerpause mit
Sandpapier angeschliffen.
Die Peike hatte einen langen Stiel mit einer handgeschmiedeten Tülle, die
in einem Dorn auslief. Mit der Stange wurde der Schlitten zwischen den Beinen
im Stehen abgestoßen. Man erreichte damit eine große Schnelligkeit. Es gab
Jungen, die konnten es sogar auf einem Bein. Besonders gut ging es auf den
überschwemmten Wiesen bei Dömitz, Bei Wind breiteten wir mit einem Arm unsere
Jacke aus, um die Fahrgeschwindigkeit zu vergrößern. Auf den zugefrorenen
Gräben sind wir mit dern Peikschlitten bis nach Dömitz geglitten. Unser Problem
war, dass wir für die alten Schlittschuhe aus der Vorkriegszeit keine ordentlichen
Schuhe hatten. Wir liefen ja auf Holzpantinen und hatten dicke gestrickte
Wollsocken an. Der Vorteil des Peikschlittens gegenüber Schlittschuhen war
- man konnte es selbst bauen, das Material hatte man, das kostete kein Geld.
Und mit den Pantinen konnte man prima auf dem Peikschlitten stehen." |